Swiss Seniors Open ist «startklar»: Titelverteidiger Remésy mit England-Sieg im Gepäck, Bossert und Wesselingh mit Heimvorteil

Das Teilnehmerfeld der am Freitag beginnenden 23. Austragung des Swiss Seniors Open in Bad Ragaz ist hochkarätig und ausgeglichen wie selten: Titelverteidiger Jean-François Remésy kehrt mit viel Selbstvertrauen – er gewann vor zehn Tagen in England seinen zweiten Staysure-Tour-Titel – in die Schweiz zurück: «Ich will in Bad Ragaz einen Back-to-Back-Sieg – so, wie 2005 bei der Open de France in Paris.» Zwei Einheimische wollen dies verhindern: Der Schweizer Turnier-Botschafter André Bossert und der Wahl-Maienfelder Paul Wesselingh, Bad-Ragaz-Sieger von 2013.

Das 23. Swiss Seniors Open auf dem Championship Course des GC Bad Ragaz ist am Mittwoch und Donnerstag mit dem «Prolog», sprich mit zwei klassischen ProAms, gestartet. Der Kampf um die 320'000 Euro Gesamtpreisgeld und den Kristallpokal beginnt aber erst am Freitagmorgen um 8.00 Uhr. Dann nämlich geht der erste Flight auf die Runde, um 10.45 Uhr folgt dann bereits die Paarung mit dem Wahl-Maienfelder Paul Wesselingh. Der gebürtige Engländer konnte das Turnier 2013 (in einem spannenden Play-Off gegen Kevin Spurgeon) gewinnen. Seither sind Wesselinghs Bande in die Schweiz enger geworden – heute wohnt er in Maienfeld und ist als Golflehrer im benachbarten Werdenberg aktiv, spielt aber dennoch regelmässig auf der Staysure Tour.

Der zweite Einheimische neben Wesselingh ist Turnierbotschafter André Bossert. Der nach wie vor erfolgreichste Schweizer Playing Professional mit Siegen auf der European Tour, der Challenge Tour und der Staysure Tour bereitet sich jedes Jahr akribisch auf das Heimturnier vor: «Ein Sieg in Bad Ragaz wäre cool. Und ich denke, ich kenne den Platz mittlerweile doch sehr gut, kann ihn auch gut spielen.» Stimmt, 2015 stellte «Bossy» in der Finalrunde des Swiss Seniors Open mit 61 Schlägen (9 unter Par) den nach wie vor gültigen Platzrekord ein. «Allerdings kann man einen Sieg nicht erzwingen, es müsste jetzt einfach mal drei Tage lang alles zusammenpassen», so der sympathische Schweizer.

Topfavorit auf den Sieg ist aber Titelverteidiger Jean-François Remésy. Der Franzose hatte 2018 in Bad Ragaz eine neunjährige Durststrecke beenden können. So emotional wie Remésy hatte zuvor kein Bad-Ragaz-Sieger gefeiert – die Zuschauer erinnern sich noch immer an die Gänsehaut-Momente am 18. Grün. Remésy ist ein Spieler, der Journalisten Stoff für grossartige Geschichten liefert: 2004 gewann er in Paris National die Open de France – zuvor hatte 35 Jahre lang keine Franzose die offene französische Meisterschaft gewinnen können. Ein Jahr später kehrte Remésy mit dem festen Willen, den Titel erfolgreich zu verteidigen an die Stätte seines grössten Sieges zurück. Und schaffte das Unmöglich geglaubte! «Ich hätte damals meine Karriere beenden können, mehr als diesen Back-to-Back-Sieg in Paris konnte ich eigentlich gar nicht erreichen. Es war magisch», erinnerte sich der stolze Franzose. Er machte dennoch weiter – und glaubt nun fest daran, dass auch in Bad Ragaz ein solches «Double» möglich ist: «Hier nochmals zu gewinnen, das wäre wirklich, wirklich cool. Meinen Schweizer Erfolgs-Caddie vom Vorjahr, André Zillig, habe ich jedenfalls mitgebracht.» Auch die Form stimmt – vor zwei Wochen feierte Remésy in England seinen zweiten Sieg auf der Staysure Tour, vergangene Woche wurde er bei der US Senior Open 47.


Die Konkurrenz, die einen (weiteren) Back-to-Back-Sieg des Franzosen verhindern möchte, ist allerdings stark und zahlreich. Ian Woosnam (Wales), US-Masters-Champion von 1991, ist auch mit 61 Jahren jederzeit ein Sieg zuzutrauen. Ebenso dem zweifachen Senior-Major-Champion Roger Chapman (England), der am Wochenende bei der US Senior Open seine Form mit Rang 33 unterstrich. Daneben sind mit den beiden Engländern Barry Lane und Peter Baker zwei weitere Staysure-Tour-Saisonsieger 2019 in Bad Ragaz am Start. Und nicht zu vergessen der Österreicher Markus Brier, der das Swiss Seniors Open als sein «zweites Heimturnier» bezeichnet, so wohl fühlt er sich in der Ostschweiz. In seiner Rookie-Saison bei den Über-50-Jährigen erreichte der Wiener drei «Stockerlplätze», diese Saison kann er mit Rang 3 in Frankreich und Rang 6 in England zwei Top-Ten-Klassierungen vorweisen. Mit dem Parcours in Bad Ragaz bestens zurecht kommen auch die ehemaligen Swiss-Seniors-Open-Champions Peter Fowler (Australien/2011), Philipp Golding (England/2017), Carl Mason (England/2006, 2007 & 2010) und Tim Thelen (USA/2012 & 2016). Diese Woche sollte man die Rechnung aber auch nicht ohne Bob May machen: Der Rookie aus den USA hatte im Jahr 2000 die Hand schon an der Wanamaker Trophy, als ihm Tiger Woods den Sieg bei der US PGA Championship in einem 3-Loch-Play-Off noch entriss.

Die ersten beiden Runden des Swiss Seniors Open 2019 werden erneut im Alliance-ProAm-Format gespielt, bei welchem jeweils ein Tour-Professional und ein Amateur ein Team bilden. Die Finalrunde am Sonntag (Start um 8.00 Uhr) ist dann nur mehr den Professionals vorbehalten.

Geld gibt es beim Swiss Seniors Open nicht nur für die erfolgreichen Professionals, sondern auch für die Stiftung Schweizerische Schule für Blindenhundeführer in Allschwil. Für jedes an Loch 3 gespielte Birdie – egal, ob von einem Pro oder von einem Amateur (in einem der klassischen ProAms oder einer Alliance-Runde) erzielt –, spendet die Credit Suisse 200 Franken an diese Stiftung.

Nach oben