Ein Blick zurück

20 Jahre European Senior Tour in Bad Ragaz
Champions

2016 - Tim Thelen zum Zweiten

Das Jubiläumsturnier der European Senior Tour am ersten Juli-Wochenende 2016 wartete mit einem spannenden Finale und einem doch etwas überraschenden Sieger auf. Obwohl, so überraschend ist es nicht, wenn Tim Thelen den Pokal in Empfang nehmen kann. Der Amerikaner aus Albany (Minnesota) hatte in Bad Ragaz bereits 2012 gewonnen; damals war dies sein zweiter Sieg auf der europäischen Seniorentour. Souverän hatte er während der Finalrunde das Feld auf Distanz gehalten und stets mit mindestens zwei Schlägen Vorsprung angeführt.


2015 – Ein Österreicher namens Manson

Als wären nicht schon genügend Nationen in der Siegerliste verewigt, kam 2015 auch noch Österreich dazu. Die österreichische Golfbewegung ist eigentlich zu jung, als dass sie schon wettkampftaugliche Golfer im Seniorenalter hätte hervorbringen können. Gordon Manson, Sieger 2015, ist denn auch ein gebürtiger Schotte. Der heute 56-Jährige zog jedoch schon 1987 nach Österreich. Seit 21 Jahren hat er den Austria-Pass. Mansons letztjähriger Erfolg war alles andere als ein Zufall. Ein neuerlicher Triumph ist jederzeit möglich.


2014 – Jetzt kommt Bossy

Immer mehr Nationen tragen sich in die Siegerliste ein. Diesmal Kanada mit Rick Gibson. Die Aufmerksamkeit am Turnier 2014 gehörte indessen auch André Bossert. Den Akzent aus seiner Kindheit in Südafrika wird er immer behalten, aber «Bossy» ist ein echter Schweizer. Allemal der erste Schweizer Tourspieler auf dem Circuit der Senioren. Im November 2013 50 Jahre alt geworden, nutzte Bossert natürlich schon die erste Gelegenheit, um sich an seinem Heimturnier in Bad Ragaz und vor dem eigenen Publikum zu zeigen. Nach den Gesetzen der Mathematik müsste Bossert heuer gewinnen. 2014 landete er im 32. Rang, vor einem Jahr wurde er Achter. Die weitere Steigerung bedeutet den Sieg. Vor einem Jahr beendete er das Turnier mit einer 61er-Runde. Damit spielte er als vierter Golfer nach Juan Quiros (2006), Carl Mason (2008) und Angel Fernandez (2011) den Platzrekord von 61 Schlägen.


2013 – Woosies Ausrutscher

Sucht man dieser Tage am Swiss Seniors Open einen jüngeren Majorturnier-Sieger als Gary Player, darf man sich an Ian Woosnam halten. An den Waliser mit Jahrgang 1958, der in seiner tollen Karriere auf Grand-Slam-Stufe vielleicht nicht «nur» das US Masters 1991 gewonnen hätte, sondern auch noch das British Open 2001 – hätte sein Caddie nicht in der Schlussrunde 15 statt 14 Schläger mitgeführt und ihm dadurch zwei Strafschläge eingebrockt. «Woosie» hat das bis heute nicht ganz verdaut. Aber auf dem Platz ist mit dem untersetzten Wirbelwind und Kraftwürfel immer noch zu rechnen. Vielleicht siegt er schon heuer. 2013, als der Engländer Paul Wesselingh gewann, unterlief Woosnam ein für ihn untypisches Missgeschick. Nach zwei 67er-Runden stürzte er in der Schlussrunde mit einer 76 förmlich ab. Ein Trost für Amateure, die täglich um ihre Konstanz auf dem Platz ringen.


2012 – Bob Verweys Schwager

Werden irgendwo auf der Welt die besten fünf Golfer der Geschichte genannt, ist der «Schwarze Ritter» Gary Player immer unter ihnen. Keine Frage, der unvergleichliche Gentleman war bis heute schlechthin DER Star in Bad Ragaz. Er nimmt sich Zeit, ist jovial, zuvorkommend und, je nach Gesellschaft auch galant. Vergangenen November wurde er 80 Jahre alt. Man gäbe ihm dieses Alter nie. Und auch sein Golf, das ihn einst zu neun Triumphen an Majorturnieren geführt hat – er gewann jedes der vier grossen Turniere mindestens einmal –, kann sich noch sehen lassen. 2012, als Tim Thelen als erster Amerikaner siegte, absolvierte Gary Player alle drei Runden mit 71 Schlägen.


2011 – in-out-in

Wohl kaum je konnte man einen so miserablen Schlag sehen, der einem Spieler letztlich zum Sieg verhalf. Der aufgeschossene, stämmige Australier Peter Fowler, bestens bekannt aus den Neunzigerjahren auf der Europa-PGA-Tour, führte ihn am 9. Loch der Schlussrunde vor. Er verzog den Abschlag unglaublich weit nach links. Der Ball prallte zwischen Zuschauern hindurch auf das Strässchen und von dort an die Mauer. Meilenweit im Out. Von der Mauer jedoch spickte der Ball in einem unnatürlichen Winkel zurück. Zuletzt kullerte er zum niedrigen Begrenzungszaun und blieb dort liegen, wenige Zentimeter innerhalb der Platzgrenze. Von dort aus zeigte Fowler einen wunderbaren Chip, dank dem er das Par rettet. Drei Schläge statt fünf oder sechs. Fowler nutzt den Auftrieb, während der Chilene Angel Fernandez, Leader nach zwei Runden, zerknirscht war und zurück fiel.

 


2010 – Nichts für schwache Nerven

2010 bot die verrückteste Schlussrunde in der Geschichte des Turniers. Favorit Carl Mason, seinen dritten Sieg in Bad Ragaz anstrebend, führte. Am 2. Loch schlug er den Ball rechts in den Wald, konnte sich nur mühselig daraus befreien und fi ng ein Triple Bogey (7) ein. Jetzt führte nicht mehr Mason. Gleich darauf am 3. Loch freute sich der Engländer über das Kilogramm Gold, die Prämie für sein Hole-in-one. Und schon war er wieder voraus. Das Auf und Ab setzte sich fort, aber zuletzt freute sich Mason über seinen 23. Sieg auf dem Senioren-Circuit – mit dem er den Rekord von Tommy Horton egalisierte.

 


2009 – Der Kampf gegen das Alter

2009, als der Südafrikaner John Bland im Stechen den Amerikaner Bob Boyd niederrang, hatte Sir Bob Charles einen seiner vielbeachteten und von einer grossen Zuschauerschar verfolgten Auftritte. Im März 1936 geboren, ist der geadelte Neuseeländer noch fit wie ein Turnschuh. Er weiss viel von früher zu erzählen, zum Beispiel von der Zeit, als er – 1963 – als erster linkshändiger Spieler das British Open gewann. In Bad Ragaz trat er zum letzten Mal noch an, als er eigentlich schon den Rücktritt erklärt hatte. Er hatte in der Schweiz immer seine helle Freude daran, sein Lebensalter mit dem Rundenergebnis zu unterspielen. Das gelingt nur herzlich wenigen Golfern. Auch im genannten 2009 glückte es ihm alle drei Male. Rundenresultate: 71, 72, 70. Lebensalter: 73. Am 6. Juli 2012 legte der «Sir» die Latte noch höher – 76-jährig spielte Bob Charles in der ersten Runde des Schweizer Turniers eine 66. Zehn Schläge unter dem Lebensalter waren und sind Turnierrekord. (Möglicherweise einer für die Ewigkeit.)


2008 – Die Stimmungskanone

Costantino Rocca (Bild) hat seinen Platz im Weltgolf. 1997 demoralisierte und demontierte er Tiger Woods im Einzel des Ryder Cups in Valderrama (europäischer Captain: Severiano Ballesteros) und ermöglichte den Europäern den Sieg mit 14,5:13,5 Punkten gegen die damals hochfavorisierten US-Golfer. Im selben Jahr hatte Rocca unter anderem das Omega European Masters in Crans-Montana gewonnen. Schade, könnte man in Bad Ragaz sagen, dass der Italiener erst Ende 1956 geboren wurde. So konnte er erst 2007 bei den Senioren mitspielen. Seither aber hat er dem Turnier unheimlich viel gebracht. Als attraktiver Spieler, aber auch als begnadeter Stimmungsmacher im und ums Klubhaus.


2007 – Jetzt kreist Carl Mason

Carl Mason, mit Jahrgang 1953 im Vergleich zu Tommy Horton ein Jungsenior, etablierte sich am Schweizer Turnier als Mann der Rekorde. 2007 begann er mit seinem Sieg mit Turnierrekord (194 Schläge) und Rekordvorsprung (6 Schläge). Der Engländer, der in seinem besten Jahr 1994 zweimal auf der PGA European Tour gewonnen hatte, siegte in Bad Ragaz auch 2008 und 2010. Die drei Erfolge sind heute noch der Rekord.


2006 - Vergoldeter Bembridge

Der Wahlschweizer Maurice Bembridge (Bild), mit einer Ostschweizerin verheiratet und in Niederbüren als Teaching Pro tätig, ist der einzige Spieler, der alle 20 Turniere in Bad Ragaz bestritten hat. Einmal 2008, musste er verletzt aufgeben. Der 71-jährige ehemalige Ambassador des Grand Resort Bad Ragaz konnte in den Jahren einmal in den Kampf um den Sieg eingreifen: 1998 klassierte er sich mit 2 Schlägen Rückstand auf Rang 2. 2006, als der Spanier Juan Quiros unter anderem dank dem Platzrekord von 61 Schlägen siegte, schlug Bembridge in der Schlussrunde am 134 Meter langen 3. Loch ein Ass. Turniersponsor Credit Suisse belohnte den Zauberschlag mit einem Kilogramm Gold.


2005 – Tommys Versprechen

Tommy Horton (Bild), Ryder-Cup-Spieler mit Jahrgang 1941, hatte die Anfangszeit der europäischen Seniorentour geprägt wie kein anderer. In Bad Ragaz war der schmächtige Engländer mit seiner herausragenden Persönlichkeit in den ersten Jahren der unbestrittene Star. Er versprach auch – ohne Gewähr natürlich –, das Schweizer Turnier einmal zu gewinnen. Es wurde für ihn aber immer schwieriger, weil immer mehr deutlich jüngere Golfer auf die Ü50-Tour kamen. So war Hortons Zeit in Bad Ragaz schliesslich eine unvollendete. Nachzutragen: Der Sieger 2005 hiess Terry Gale, Australien.


2004 - Der falsche Carbonetti

Horacio Carbonetti rühmte seinen Bruder Luis immer. Luis sei der bessere Golfer als er, er habe auf der amerikanischen Seniorentour gespielt, und eigentlich sei er der prädestinierte Gewinner. In Bad Ragaz jedoch war die brüderliche Rangordnung gänzlich ausser Kraft gesetzt. Denn 2004 siegte Horacio gleich noch einmal – im Stechen gegen den Engländer Denis Durnian und als zweiter Back-to-back-Sieger nach David Huish.


2003 – Der «Heli» kreist

Wenn einer während Jahren in Bad Ragaz die Heimat vertreten hatte, dann war es Helmuth «Heli» Schumacher (Bild links). Der Golfer aus Wangs, treuer Teaching Pro auf dem Luzerner Dietschiberg, wurde im Turnier 2003 von den renommierten Playing Pros plötzlich beachtet, denn im verregneten, verkürzten Turnier 2002 hatte er sich mit Runden von 68 und 67 Schlägen im geradezu sensationellen 10. Rang etabliert, vor Grössen wie Tommy Horton und Bernard Gallacher. Im Turnier 2003, gewonnen vom Argentinier Horacio Carbonetti, hielt «Heli» zwei weitere Runden gut mit, ehe er mit einer 77 am Sonntag zurückfi el.

 


2002 – Regenschirme und Schwimmhäute

Was das Wetter betrifft, war das Open 2002 eine Ausnahme. Es regnete und schüttete, der Platz kam an die Grenze der Belastbarkeit. Den Verantwortlichen blieb einzig der Entscheid, die dritte Runde am Sonntag nicht mehr auszutragen und den Zuschauern nur noch ein Stechen zwischen den beiden Führenden vorzusetzen, zwischen dem Iren Denis O’Sullivan und dem Japaner Yasushi «Dragon» Taki. Der Drache siegte. Der beliebte Wahlragazer David Creamer (Bild) hatte nach zwei Runden nur einen Schlag Rückstand. Noch heute ist er mit Petrus nicht im Reinen, denn er hätte nur zu gern gewusst, ob er am Sonntag nicht noch ganz hätte an die Spitze vorstossen können. Wir werden es nie wissen.

 


2001 – Der erste Doppelsieger

Die Aufl age 2001 brachte für das damalige Bad Ragaz PGA Seniors Open eine Neuerung: den ersten Doppelsieger. Der Schotte David Huish (Bild), damals 57, rang im Stechen den Ragazer Dauergast David Good aus Australien nieder, nachdem er schon im Vorjahr gewonnen hatte. Huish ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch Teaching Pros ihre Chancen bekommen. Bis zu seiner Pensionierung 2009 war er im North Berwick Golf Club tätig. Dennoch war er als Spieler sehr wettkampftauglich. Am British Open 1975 in Carnoustie führte er nach zwei Runden, bevor er am Sonntag dem Amerikaner Tom Watson zum Sieg gratulieren musste. Vier seiner fünf Siege auf der Seniorentour errang Huish im Play-Off.


2000 - Die Adler kreisen

Adler gehören zu den Lieblingsvögeln der Golfer. Wer einen solchen schiesst, einen Eagle, verbessert sich im Score um zwei Schläge. An den Par-3-Löchern tragen die Eagles noch andere Namen: Holein- one, Ass. 2000 war das Flugjahr der 1-Schlag-Adler in Bad Ragaz. Drei Asse an einem einzigen Tag – das ist auf allen Profi tours der Welt eine Seltenheit. Der Nordire Eddie Polland (Bild links) traf am 17. Loch mit einem Schlag und durfte sich die Prämie, den Schlüssel für einen Volvo S80, übergeben lassen. Als der Australier Ross Metherell später am 17. Loch vorbeikam und ebenfalls traf, war der Wagen schon weg. Pech. Unterdessen hatte auch der Amerikaner Thomas Richard Jones mit einem Schlag eingelocht – am 11. Loch. Gewonnen hat der Schotte David Huish.


1999 - Der mit dem Kinderstock

Bob Shearer trug sich nach einem Engländer und einem Südafrikaner als erster Australier in die Siegerliste ein. Aus jener Zeit Ende der Neunziger werden ein paar Zuschauerinnen und Zuschauer auch noch Kuriositäten vom Platz in Erinnerung haben. Der Südafrikaner John Fourie spielte ernsthaft mit einem kaum 40 cm langen Putter. Es war drollig zu sehen, wie er sich auf den Greens nach vorn und nach unten beugte und die Hände beim Putten knapp über dem Boden hielt. Derweil schlug der Engländer Harry Flatman die Bälle immer so, wie er hiess: flach über dem Boden, auf Augenhöhe der Fans. Die Erklärung für die seltsame Technik lieferte er selbst: Wo er aufgewachsen sei, habe es immer gewindet. So habe er sich schon als Bub daran gewöhnt, die Bälle ebenerdig zu schlagen.


1998 – Gary Players Schwager

Bob Verwey (Bild) war und ist ein fröhlicher Mensch, immer für einen Spruch zu haben. An den Medienkonferenzen der ersten Ragazer Turniere wies er gern darauf hin, dass der berühmte, legendäre Gary Player sein Schwager sei, verheiratet mit seiner Schwester Vivienne Verwey. Auch sonst sprach er viel von den Seinen in Südafrika. Wehmütig wurde sein Blick nur, wenn er von den Schattenseiten in seiner Familie sprach, von Krankheit und Tod. Seine Worte führten einem immer vor Augen, wie schön und wie unwichtig der Golfsport ist: Der Vollständigkeit halber: Er ist es auch, der sich als Zweiter in die Siegerliste eingetragen hat.


1997 – Waites, wie geschaffen für den ersten Sieg

Was für einen Sieger wünscht man sich für eine Turnierpremiere auf der europäischen Seniorentour? Im Idealfall ist es ein Spieler, der früher lange Jahre auf der grossen Europa-Tour spielte und dort auch gewann, der im Ryder Cup und am British Open mittat, der auch auf der Ü50- Tour schon siegte – und der erst noch einfach ein guter, offener, freundlicher Typ ist. Als wäre ihm diese Anforderung des Siegerprofi ls bewusst gewesen, setzte sich zum Auftakt der Engländer Brian Waites (Bild rechts) durch, damals 57-jährig. Er rang im Stechen seinen drei Jahre jüngeren Landsmann Malcolm Gregson nieder. Ein besserer Start hätte dem Turnier tatsächlich nicht beschieden sein können.


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